Handwerker-Website oder Google Business — was reicht?

„Brauche ich als Handwerker überhaupt eine eigene Website?" Diese Frage höre ich aus zwei Richtungen. Vom Inhaber selbst, oft skeptisch: „Wir leben von Empfehlung." Und vom Auszubildenden oder der nächsten Generation, oft drängend: „Papa, wir sind nicht bei Google." Beide haben einen Punkt. Aber die Frage ist falsch gestellt.

Die Bitkom-Studie 2025 zur Digitalisierung im Handwerk hat 504 Betriebe ab einem Beschäftigten telefonisch befragt. Ergebnis: 94 Prozent haben bereits eine Website. Die echte Frage ist also nicht, ob du eine brauchst. Sondern ob deine, oft vor sieben bis fünfzehn Jahren gebaut, 2026 noch reicht. Und ob ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil als zweite Säule ausreicht. Antwort: nein, beides allein reicht nicht mehr.

Die Frage ist falsch gestellt: 94 von 100 Handwerkern haben schon eine Website

94 % der Handwerksbetriebe haben bereits eine eigene Website. Die Frage ist nicht ob, sondern ob deine 2026 noch reicht. Quelle: Bitkom-Studie „Digitalisierung des Handwerks" 2025, 504 telefonisch befragte Betriebe.

Wenn dein Auszubildender oder deine Tochter sagt „wir sind nicht bei Google", meint das meistens nicht, dass die Website fehlt. Sondern dass sie nicht gefunden wird, nicht überzeugt oder veraltet wirkt. Die Webseite vom letzten Lehrling, der „was mit Computern" konnte, läuft oft noch und ist offiziell „online". Sie zieht nur keine Anfragen mehr.

Wie du dein Google-Profil sauber aufstellst und welche Stellschrauben dort den Unterschied machen, steht im Schwester-Artikel Google-Unternehmensprofil für Handwerker. Dieser Artikel hier geht der nächsten Frage nach: Was muss eine Handwerker-Website 2026 leisten, damit das gepflegte Profil daneben nicht zur einzigen Lead-Quelle wird?

Was Google selbst aus dem Unternehmensprofil entfernt hat — und warum

Wer „mir reicht das Google-Profil" sagt, sollte wissen, dass Google selbst das Profil seit 2024 deutlich abrüstet. Drei konkrete Schritte in 18 Monaten.

Chat und Anruf-Historie: abgeschaltet zum 31. Juli 2024. Google hat die Chat-Funktion weltweit ohne Ersatz entfernt. Wer Kundenanfragen über GBP-Chat abgewickelt hat, musste auf E-Mail, Telefon oder eigene Website umsteigen. Dokumentiert in der offiziellen Google Business Profile Help.

Q&A-Feature: eingestellt im November 2025. Die Frage-und-Antwort-Sektion, in der Inhaber:innen Kundenfragen direkt beantworten konnten, ist weg. Google ersetzt das mittelfristig durch KI-generierte Antworten aus dem Profil-Inhalt und der Website. Wer dort über Jahre Antworten gepflegt hat, hat dieses Investment verloren.

Beiträge und Posts: weniger Sichtbarkeit. Posts werden in der Profil-Ansicht seit 2024 weiter unten platziert. Branchen-Auswertungen zeigen messbar zurückgehende Reichweite. Wer dort regelmäßig postet, erreicht weniger Augen als noch vor zwei Jahren.

Pragmatische Linie: Google rüstet das Profil ab. Wer sein gesamtes Online-Marketing daran hängt, baut auf ein Werkzeug, das der Werkzeug-Hersteller selbst verändert, ohne Rücksprache mit den Nutzer:innen.

Wer Handwerker im Internet sucht, fragt zunehmend KI — und KI zitiert Websites

Die Suchgewohnheit deiner Kund:innen verschiebt sich. Bauherrenfragen wie „Welcher Maler in Achim hat gute Bewertungen?" oder „Wer macht Bodenarbeiten in Oyten?" werden zunehmend in Google AI Overviews, ChatGPT und Perplexity gestellt, nicht mehr nur in der klassischen Google-Suche.

Die KI-Antwortsysteme zitieren bevorzugt Websites mit strukturierten Daten: Schema.org LocalBusiness, openingHours, areaServed, hasOfferingCatalog, FAQPage. Das Google-Unternehmensprofil ist für KI-Antworten ein Signal von vielen, aber meist nicht die zitierte Hauptquelle. Wer in KI-Antworten genannt werden will, braucht eine eigene Website mit sauber maschinenlesbarer Struktur.

Wie KI-Suche das Spiel insgesamt verändert, im Detail im Spoke KI-Suche versus Google. Und wie du selbst in zehn Minuten testest, ob dein Betrieb bei ChatGPT gefunden wird, steht in Werden wir bei ChatGPT, Perplexity oder Claude gefunden?.

Das Plattform-Risiko: Google-Profile werden öfter gesperrt

+80 % Anstieg der Google-Unternehmensprofil-Sperrungen zwischen Q1 2023 und Q2 2024. Höchstes Niveau seit Mitte 2023. Quelle: Sterling Sky, zitiert in Asset Digital Branchenanalyse 2025.

Profil-Sperrungen sind kein Randthema mehr. Sterling Sky, eine spezialisierte Local-SEO-Agentur, hat den Anstieg dokumentiert. Die häufigsten Gründe: Adress-Verifizierung, Streit um den Firmennamen, mutmaßliche Bewertungs-Manipulation. Auch Falsch-Meldungen durch Mitbewerber kommen vor.

Was passiert bei einer Sperrung: Das Profil ist sofort offline, Wiederfreischaltung dauert von wenigen Tagen bis zu fünf Wochen. Wer in dieser Zeit auf das Profil als einzige Sichtbarkeit setzt, hat ein echtes Problem. Eine eigene Website gehört dagegen dir und lässt sich durch keine Plattform aus dem Index nehmen. Das Google-Profil ergänzt, ersetzt aber nicht.

Was eine Handwerker-Website 2026 wirklich leisten muss

Sechs Stellschrauben, an denen sich entscheidet, ob deine Seite arbeitet oder nur dasteht. Keine ist Raketenwissenschaft.

  1. Lokal-relevante Inhalte mit echten Ortsnamen. „SHK-Notdienst Bremen-Nord, Oyten und Achim" gehört in den Text der Website, nicht nur als Tag im Profil. Suchmaschinen und KI lesen Fließtext, keine Profil-Felder.
  2. Schema.org LocalBusiness korrekt ausgezeichnet. postalAddress, openingHours, areaServed, hasOfferingCatalog, telephone, hasMap. Damit KI-Antwortsysteme deinen Betrieb verstehen und richtig einsortieren.
  3. Echte FAQ aus Kundenfragen. „Macht ihr Notdienste?", „Welche Orte beliefert ihr?", „Wie lange dauert eine Heizungs-Sanierung?" — als sichtbarer FAQ-Block auf der Seite, nicht versteckt im Schema. Genau diese Frage-Antwort-Struktur lieben KI-Antwortsysteme.
  4. Referenzbilder mit Ort und Datum. Statt Stockfotos echte Baustellen-Aufnahmen, mit Stadtteil und Jahr. Das ist Trust-Signal und Local-SEO-Anker in einem.
  5. Saubere Verbindung zum Google-Profil. Gleicher Firmenname, gleiche Adresse, gleiche Telefonnummer überall (NAP-Konsistenz). Betriebe mit konsistenter NAP sind laut BrightLocal-Auswertung rund 40 Prozent häufiger im Local Pack zu finden.
  6. Mobile First, schnell, barrierearm. Wer deine Website morgens vor der Tour auf dem Smartphone ansieht, will nicht zehn Sekunden warten. Lighthouse-Score 90+ ist ein realistischer Mindestmaßstab.

Eine Festpreis-Website mit allen sechs Punkten muss kein Premium-Produkt sein. Die realistische Spanne 2026 im DACH-Markt: Agentur-Basis 2.000 bis 3.000 Euro einmalig, plus laufende Kosten zwischen 29 und 250 Euro pro Monat je nach Modell. Baukasten ist günstiger, kommt aber bei Schema.org und KI-Tauglichkeit oft an Grenzen.

Die pragmatische Empfehlung: beides, mit klarer Arbeitsteilung

Nicht „Website oder Google Business" ist die Frage. Sondern „wofür jedes von beiden". Eine klare Arbeitsteilung:

Das Google-Unternehmensprofil ist dein lokaler Sichtbarkeits-Booster. Pflege es kontinuierlich: Öffnungszeiten aktuell halten, neue Fotos hochladen, jede Bewertung beantworten. Wie genau, im Schwester-Artikel Google-Unternehmensprofil für Handwerker.

Deine eigene Website ist deine Substanz und dein Ankerpunkt für die KI-Suche. Hier stehen längere Texte, FAQ, Referenzen und die Schema.org-Auszeichnung. Hier zitieren ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews. Hier kann dir kein Algorithmus etwas wegnehmen.

Wer beides verbindet und die NAP-Daten konsistent hält, holt am meisten aus dem lokalen Such-Pack heraus.

Hinweis: Die Zahlen in diesem Artikel sind aktuelle Branchen- und Studien-Daten 2025 und 2026 (Bitkom, BrightLocal, Sterling Sky, Google Business Profile Help). Wirkung im Einzelfall hängt von Branche, Region, Wettbewerbsdichte und Pflege ab. Eine eigene Messung über vier bis acht Wochen ist immer noch der beste Test.

Drei-Schritte-Selbstcheck für deine Handwerker-Website

  1. Such dich selbst. Tippe deinen Firmennamen plus Ort bei Google. Erscheint das Profil oben? Erscheint deine Website auf Seite 1? Test parallel in ChatGPT mit „Wer macht [Gewerk] in [Stadt]?". Wirst du genannt? Wenn nein: KI-Sichtbarkeit fehlt.
  2. NAP-Konsistenz prüfen. Firmenname, Adresse, Telefonnummer auf Website, Google-Profil und Branchenbüchern: identisch? Schon kleine Abweichungen wie „Straße" versus „Str." oder ein Tippfehler im Hausnamen brechen das Ranking.
  3. Mobile-Lighthouse-Score messen. PageSpeed Insights aufrufen, Adresse deiner Website eingeben, mobile Variante prüfen. Performance-Score unter 70? Dann ist die Website ein Bremser, kein Verstärker. Du verlierst Interessent:innen, ohne es zu merken.

Was dieser Artikel nicht beantwortet

Damit die Grenzen klar sind, drei Themen, die dieser Artikel bewusst offen lässt.

Wie du das Google-Profil im Detail pflegst. Sieben Stellschrauben für mehr Anfragen, Bewertungs-Strategie, Foto-Routine: alles im Schwester-Artikel Google-Unternehmensprofil für Handwerker.

Ob dich als Handwerker das BFSG trifft. Faustregel: Visitenkarten-Seite mit Telefonnummer und Kontaktformular meist nicht. Online-Terminbuchung, Verbraucher-Shop oder Buchungs-Iframe ja. Details in Ab wann gilt das BFSG für mein Unternehmen?.

Konkrete Festpreis-Pakete. Hängt von Branche und Region ab. Ein kurzes Gespräch klärt die realistische Spanne für deinen Betrieb.

Häufige Fragen

Brauche ich als Handwerker überhaupt eine eigene Website?

Laut Bitkom-Studie 2025 haben bereits 94 Prozent der Handwerksbetriebe eine Website. Die Frage ist also weniger ob, sondern ob die vorhandene 2026 noch reicht. Wer nur ein Google-Profil pflegt und keine Website hat, wird in KI-Antworten seltener zitiert und ist von Google-Algorithmus-Änderungen oder Profil-Sperrungen abhängiger.

Reicht das Google-Unternehmensprofil nicht aus?

Für lokale Maps-Sichtbarkeit ist es zentral, ja. Aber Google selbst hat 2024 die Chat-Funktion abgeschaltet, im November 2025 die Q&A-Funktion eingestellt und die Sichtbarkeit von Beiträgen reduziert. Wer alles auf das Profil setzt, baut auf einen Stuhl mit immer weniger Beinen.

Werde ich bei ChatGPT oder Perplexity gefunden, wenn ich nur ein Google-Profil habe?

Eher selten. KI-Antwortsysteme zitieren bevorzugt Websites mit strukturierten Daten wie Schema.org LocalBusiness, FAQPage, openingHours und areaServed. Das Google-Profil ist für die KI-Antwort ein Signal von vielen, aber meist nicht die zitierte Hauptquelle.

Wie oft werden Google-Unternehmensprofile gesperrt?

Häufiger, als viele denken. Sterling Sky berichtet einen Anstieg der Sperrungen um rund 80 Prozent zwischen Q1 2023 und Q2 2024. Häufigste Gründe sind Adress-Verifizierung, Streit um den Firmennamen und mutmaßliche Bewertungs-Manipulation. Eine Wiederfreischaltung kann mehrere Wochen dauern.

Was kostet eine Handwerker-Website 2026?

Die Spanne in DACH 2026: Baukasten 10 bis 30 Euro pro Monat, Freelancer einmalig 1.000 bis 4.000 Euro, Agentur-Basis 2.000 bis 3.000 Euro einmalig, höherwertige Agentur 3.000 bis 10.000 Euro und mehr. Laufende Kosten zwischen 29 und 250 Euro pro Monat je nach Modell.

Wie verbinde ich Website und Google-Profil richtig?

Über konsistente NAP-Daten: Firmenname, Adresse, Telefonnummer überall identisch geschrieben. Schon kleine Abweichungen wie „Straße" versus „Str." schwächen das Ranking. Laut BrightLocal-Auswertung sind Betriebe mit konsistenter NAP rund 40 Prozent häufiger im Local Pack.

Reicht deine Handwerker-Website 2026 noch?

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